Bohrn Mena Selbstdarstellung
Bohrn & Mena: Steady-Beitrag zu Druck, Drohungen und Interventionen
Der Steady-Beitrag von Veronika und Sebastian Bohrn Mena mit dem Titel „Eine irrwitzige Geschichte von Druck, Drohungen & Interventionen“ ist keine neutrale Chronik, sondern eine ausführliche Gegendarstellung aus Sicht der Bohrn Menas. Im Zentrum steht ihre These, dass sich Menschen, die Hasspostings liken, teilen oder verbreiten, später selbst als Opfer eines angeblichen Geschäftsmodells darstellen würden.
Ausgangspunkt ist ein abwertender Kommentar auf der Facebook-Seite von Gerald Grosz. Nach Darstellung der Bohrn Menas habe sich der Kommentar gegen Sebastian und Veronika Bohrn Mena gerichtet. Ihr Anwalt Robert Kerschbaumer habe den Kommentar rechtlich geprüft und sei zur Einschätzung gekommen, dass dieser insbesondere gegenüber Veronika Bohrn Mena beleidigend sei.
Besonderes Gewicht legen Bohrn & Mena auf die Rolle von Likes. Ein Like sei aus ihrer Sicht nicht bloß eine harmlose Geste, sondern verstärke die Sichtbarkeit eines Kommentars und könne als öffentlicher digitaler Applaus verstanden werden. Daraus leiten sie die Rechtfertigung ab, nicht nur gegen Verfasser:innen von Kommentaren, sondern auch gegen Personen vorzugehen, die solche Kommentare liken oder weiterverbreiten.
Im konkreten Fall geht es um eine über 80-jährige Frau aus der Steiermark, die einen solchen Kommentar gelikt haben soll. Sie erhielt nach Darstellung der Bohrn Menas ein anwaltliches Schreiben, in dem über eine bereits eingebrachte Privatanklage, mögliche rechtliche Folgen und die Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung informiert wurde. Bohrn & Mena stellen diese Vorgangsweise als gesetzeskonform und als Angebot zur Güte dar.
Der Beitrag schildert anschließend eine Eskalation. Die Tochter der Frau habe laut Darstellung der Bohrn Menas eine Einigung zunächst abgelehnt und auf juristische Unterstützung verwiesen. Später sei auch Christoph Grabenwarter, Präsident des Verfassungsgerichtshofes, in privater beziehungsweise verwandtschaftlicher Funktion als rechtlicher Berater der Frau aufgetreten. Diese Darstellung stammt aus dem Steady-Beitrag selbst und ist als Perspektive der Bohrn Menas zu lesen.
Ein zweiter zentraler Strang betrifft Florian Klenk und den Falter. Bohrn & Mena schildern, Klenk habe während der Geburt beziehungsweise rund um die Geburt ihres Kindes wegen dieser Causa Kontakt aufgenommen und eine mögliche Falter-Titelgeschichte über die ältere Frau angekündigt. Sie beschreiben dies als massiven Druck und als fehlende Rücksichtnahme. Klenk wiederum kritisiert die Like-Klagen öffentlich als Einschüchterung und als problematische Nutzung der Justiz.
Der Text ist daher vor allem eine Verteidigungsschrift: Bohrn & Mena wollen zeigen, dass ihre Klagen keine Einschüchterung seien, sondern rechtliche Gegenwehr gegen reale digitale Gewalt. Sie verbinden den Fall der älteren Frau, die Rolle von Gerald Grosz, ihren Anwalt Robert Kerschbaumer, Florian Klenk, den Falter und die Debatte über Likes zu einer größeren Erzählung über Hass im Netz, Rollenumkehr und mangelnde Solidarität mit den Betroffenen.
Die Schwachstelle dieser Argumentation liegt in der Zuspitzung: Der Beitrag stellt Likes sehr stark als öffentliche Zustimmung und als rechtlich relevante Verstärkung dar. Diese Linie wurde durch die spätere OGH-Entscheidung zumindest deutlich differenziert. Der OGH stellte klar, dass ein Like zwar eine rechtlich relevante Äußerung sein kann, aber nicht automatisch Zustimmung zu allen Aspekten eines fremden Kommentars bedeutet. Entscheidend ist der konkrete Kontext und wie durchschnittliche Betrachter:innen das Like verstehen.
Schlüssig gelesen zeigt der Beitrag daher zwei Ebenen: Einerseits gibt es reale Drohungen, Beschimpfungen und digitale Gewalt gegen Bohrn & Mena, gegen die rechtliche Gegenwehr nachvollziehbar ist. Andererseits bleibt die breite Klagsstrategie gegen Likes, Shares und mittelbare Beteiligte problematisch, weil sie hohe Kostenrisiken erzeugt und schnell eine einschüchternde Wirkung entfalten kann.
Links und Quellen
- Bohrn & Mena: „Eine irrwitzige Geschichte von Druck, Drohungen & Interventionen“
Ausgangsbeitrag auf Steady; zentrale Gegendarstellung der Bohrn Menas zur Like-Causa, zu Florian Klenk, Falter, Robert Kerschbaumer und dem Fall der älteren Frau. - Bohrn & Mena zu Gerald Grosz und gerichtlichen Anordnungen
Beitrag zur Rolle der Facebook-Seite von Gerald Grosz und zu gerichtlichen Veröffentlichungsanordnungen nach dem Mediengesetz. - Bohrn & Mena: „Like“ führt laut OLG Wien zu Verurteilung
Frühere Darstellung der Bohrn Menas zu einer OLG-Wien-Entscheidung, in der ein Like als strafrechtlich relevant gewertet wurde. - Bohrn & Mena: Verfahren in Graz
Beitrag zu einem Verfahren in Graz und zur Argumentation, dass die Klagen nicht bloß Drohkulisse seien, sondern gerichtliche Substanz hätten. - Bohrn & Mena: OGH-Siege im Hass-im-Netz-Schnellverfahren
Beitrag zu OGH-Entscheidungen, die nach Darstellung der Bohrn Menas künftige Hass-im-Netz-Verfahren beschleunigen sollen. - Bohrn & Mena zu rechtsextremen Drohbriefen
Beitrag über postalische Drohungen gegen die Bohrn Menas; wichtig für die Einordnung, warum sie ihre juristische Offensive als Gegenwehr verstehen. - Bohrn & Mena: „Niki-Haas-Aufschlag“
Beitrag zur angekündigten Erhöhung von Vergleichsbeträgen bei bestimmten anwaltlichen Vertretungen; relevant für die Kritik an Vergleichspraxis und Kostenlogik. - Bohrn & Mena: OGH zu Likes
Reaktion der Bohrn Menas auf die OGH-Entscheidung; sie sehen dadurch mehr Rechtssicherheit, aber auch eine Erschwerung im Kampf gegen Hass im Netz. - OGH 6 Ob 26/26f: Keine automatische Ehrenbeleidigung durch ein Like
Offizielle OGH-Zusammenfassung zur Entscheidung vom 26. Mai 2026. Zentrale Aussage: Ein Like bedeutet nicht automatisch Zustimmung zu allen Aspekten eines fremden Postings; der konkrete Kontext entscheidet. - ORF: OGH-Entscheid zu Likes, Bohrn Mena, Klenk und Kerschbaumer
ORF-Bericht zur OGH-Entscheidung und zur öffentlichen Debatte zwischen Bohrn Mena, Florian Klenk und Robert Kerschbaumer. - Dr. Robert Kerschbaumer – Tiroler Rechtsanwaltskammer
Offizielles Kammerprofil des Lienzer Rechtsanwalts Robert Kerschbaumer mit Kanzleidaten und Tätigkeitsgebieten. - Die Dunkelkammer – Der Investigativ-Podcast
Podcast-Seite von Michael Nikbakhsh; relevant für die Gespräche mit den beteiligten Personen und die journalistische Aufarbeitung der Causa.
