Sport & Heilstadt Stockerau?

Sportstadt Stockerau: Von der Alten Au zur… Wartezone?
Es gibt Projekte, die werfen Fragen auf. Und dann gibt es Projekte, die werfen so viele Fragen auf, dass man sich fragt, ob das Konzept vielleicht genau darin besteht. Der geplante Klinikneubau in Stockerau gehört derzeit eher zur zweiten Kategorie.
Finanzierung, Nutzen für die Stadt, Infrastruktur, Verkehr, Hochwasser – die Liste ist lang. Und während man noch versucht, diese Punkte halbwegs nüchtern zu sortieren, schiebt sich bereits das nächste Thema ins Blickfeld: der Sport. Genauer gesagt: dessen Verdrängung.
Vom Spielfeld zur Baugrube
Die Sportstätten in der Alten Au werden dem Klinikum weichen. So viel scheint fix. Was weniger fix wirkt: wohin der Sport künftig ausweichen soll.
Aus gemeindeeigenen Kanälen verlautet, dass Gespräche mit Vereinen laufen. Man erhebt „Bedürfnisse“. Das klingt fürs Erste fürsorglich. Bei näherem Hinsehen stellt sich allerdings eine fast rührend naive Frage:
Welche Bedürfnisse hat ein Sportverein eigentlich – abgesehen von funktionierenden Sportplätzen, Hallen, Garderoben, Sanitäranlagen und einer halbwegs erreichbaren Lage?
Man hätte fast den Eindruck, diese Grundlagen müssten erst noch entdeckt werden.
Erreichbarkeit – ein unterschätztes Detail
Die Alte Au ist kein Zufallsprodukt. Sie ist gewachsen, genutzt, akzeptiert. Vor allem aber: erreichbar.
Zu Fuß, mit dem Rad, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mit dem Auto – von „wirklich jung“ bis „wirklich alt“ funktioniert das System erstaunlich gut.
Das nennt man dann gerne „Breitensport“. Ein Begriff, der in Sonntagsreden zuverlässig fällt – und in der Praxis ebenso zuverlässig auf die Probe gestellt wird.
Denn eines zeichnet sich bereits ab:
So zentral wie bisher wird es nicht mehr.
Transparenz – ein dehnbarer Begriff
War die Alte Au perfekt? Sicher nicht. Ein „Fresh-up“ wäre wohl längst fällig gewesen.
Aber was genau hat gefehlt? Welche Beschwerden gab es? Welche konkreten Anforderungen?
Man weiß es nicht.
Transparenz endet offenbar dort, wo es interessant wird.
Der Blick über den Tellerrand – ein Tabu?
Sportzentren existieren weltweit. Funktionierende sogar recht viele.
Man könnte – rein hypothetisch – auf die Idee kommen, sich dort umzusehen. Konzepte vergleichen. Lösungen adaptieren.
Aber das wäre natürlich heikel.
Man könnte sich dem Vorwurf des Plagiats aussetzen. Und nichts ist gefährlicher als eine funktionierende Idee, die nicht im eigenen Haus entstanden ist.
9 Hektar Realität
Die Alte Au umfasst mit allem Drum und Dran rund 9 Hektar.
Wer mit dem NÖ Atlas über die Stadt fliegt, erkennt schnell: Flächen dieser Größenordnung sind selten und meist nicht zufällig frei.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur: Wo könnte man bauen?
Sondern vielmehr: Wo kann man bauen, ohne neue Probleme zu schaffen?
Sorry in der Tabelle bzw auf WordPress spukt ein Bug;: erste Zeile sollte heißen Alte Au, ingend ein Bug schreibt das immer wieder um
| Flächen | Ha |
| Alte Au | 9,2 |
| Deponie | 7,2 |
| Freizeit & Freibad ink. Müllplatz | 7,6 |
| Marienhöhe | 9,2 |
| MUT & Jessernig | 7,1 |

Mögliche Standorte des neuen Sportzentrums?
Verkehr – Versiegelung – Hochwasser – Erreichbarkeit – Nutzungskonflikte.
Ein Sportzentrum ist kein Parkplatz mit Rasenmarkierung.
Sportstadt und / oder Heilstadt?
Wer sich an die letzte Präsentation des örtlichen Entwicklungskonzepts erinnert, freut sich schon auf fundierte Planungen und deren Präsentation.
„Sportstadt Stockerau“ war einmal ein Label mit Substanz, ähnlich der Industriestadt, Einkaufstadt,
Heute wirkt es stellenweise wie ein nostalgischer Slogan.
Stattdessen zeichnet sich ein anderes Bild ab:
Eine Stadt, die sich neu erfindet – vielleicht als Gesundheitsstandort.
Was legitim ist, aber nicht folgenlos.
Denn jede Entscheidung hat Nebenwirkungen. Und manchmal verdrängt ein Großprojekt mehr als nur Fläche.
Ein Traum, der keiner bleiben sollte
„I had a dream“, könnte man sagen.
Allerdings keinen besonders angenehmen.
Ein Klinikum, das nicht nur gebaut wird, sondern gleichzeitig bestehende Strukturen verdrängt – ohne dass deren Ersatz auch nur annähernd gleichwertig ist.
Noch ist es ein Gedankenspiel.
Aber eines, das mit jeder fehlenden Antwort ein Stück realistischer wirkt.
Und jetzt?
Die Stadtregierung ist am Zug.
Nicht mit Ankündigungen, sondern mit belastbaren Konzepten.
Denn eines ist klar:
Ein Sportzentrum verlegt man nicht wie eine Bushaltestelle.
Und Breitensport lässt sich nicht einfach aus dem Zentrum hinausplanen, ohne dass er leiser wird.
Oder ganz verschwindet.
Ich bin gespannt auf die nächsten Neuigkeiten. Wirklich.
