Lichtverschmutzung

Lichtverschmutzung im Siedlungsbereich: ökologische Auswirkungen

Abseits der Störung der Nachbarn

Dauerhaft eingeschaltetes Flutlicht ist eine Form von Lichtverschmutzung. Es stört
die natürliche Dunkelheit und kann Tiere in ihrem Verhalten, ihrer Orientierung,
ihrer Fortpflanzung und ihrer Nahrungssuche beeinträchtigen.

Besonders betroffen sind nachtaktive Insekten, darunter Glühwürmchen, aber auch
Fledermäuse, Vögel, Amphibien und teils Reptilien. Problematisch sind vor allem
helle, ungerichtete, kalte oder die ganze Nacht eingeschaltete Lichtquellen.

Betroffene Tiergruppen

Tiergruppe Typischer Schaden
Insekten allgemein Viele nachtaktive Insekten werden von Licht angezogen oder in ihrer Orientierung gestört.
Das führt zu Energieverlust, erhöhter Prädation, gestörter Nahrungssuche und geringerer
Fortpflanzung. Künstliches Licht gilt als relevanter zusätzlicher Stressfaktor für
Insektenpopulationen.
Glühwürmchen / Johanniskäfer Besonders empfindlich: Ihre Partnersuche beruht auf Leuchtsignalen. Künstliches Licht kann
diese Signale überstrahlen oder stören. Dadurch finden Männchen und Weibchen schlechter
zusammen. Studien zeigen deutlich verringerten Paarungserfolg unter künstlicher Beleuchtung.
Fledermäuse Viele Fledermausarten meiden beleuchtete Bereiche und verlieren dadurch Jagd- und
Flugkorridore. Andere, häufige Arten profitieren kurzfristig von Insekten an Lampen.
Insgesamt kann Licht so die Artengemeinschaft verschieben und empfindliche Arten verdrängen.
Vögel Licht in der Nacht kann den Tag-Nacht-Rhythmus stören, zu verfrühtem Gesang und veränderter
Aktivität führen und bei ziehenden Vögeln die Orientierung beeinträchtigen. Indirekt trifft
es Vögel auch über den Rückgang nachtaktiver Insekten als Nahrungsgrundlage.
Amphibien Frösche, Kröten und Molche reagieren auf künstliches Licht mit verändertem Aktivitäts- und
Rufverhalten. Das kann Fortpflanzung, Wanderungen und das Risiko gegenüber Fressfeinden
beeinflussen.
Reptilien Für manche Reptilien kann nächtliche Beleuchtung das Mikroklima, die Aktivitätsmuster und
die Nutzung von Rückzugsräumen verändern. Im Siedlungsbereich wirken diese Effekte oft
zusammen mit anderen Störungen.
Ökosystem insgesamt Lichtverschmutzung wirkt nicht nur auf einzelne Arten, sondern verändert Nahrungsnetze,
Räuber-Beute-Beziehungen und natürliche Rhythmen. Besonders kritisch sind dauerhafte
Flutlichtquellen, die große Flächen ausleuchten.

Besonders wichtig: Glühwürmchen

Glühwürmchen gehören zu den am besten passenden Beispielarten für Lichtverschmutzung.
Ihre Leuchtsignale dienen der Partnersuche. Wird die Umgebung zu hell, sinkt die
Sichtbarkeit dieser Signale. In Feldstudien zu europäischen Glühwürmchen
(Lampyris noctiluca) zeigten Weibchen in dunklen Bereichen meist nur einen Abend lang
ihr Leuchten, während Weibchen an beleuchteten Standorten oft über viele weitere Nächte
leuchten mussten – ein deutlicher Hinweis auf verringerten Paarungserfolg.

Fazit

Dauerhaftes nächtliches Flutlicht ist ökologisch problematisch. Besonders betroffen sind
Insekten und darunter sehr plausibel auch Glühwürmchen. Wenn ein Scheinwerfer im
Siedlungsbereich die ganze Nacht läuft, kann das lokal durchaus negative Wirkungen auf
Nachtfalter, Käfer, Fledermäuse und andere Tiere haben.

Was hilft?

  • Licht nur bei Bedarf einschalten
  • Zeitschaltuhr oder Bewegungsmelder verwenden
  • Licht nach unten abschirmen, nicht in die Fläche oder den Himmel strahlen lassen
  • warmweißes Licht statt kaltweiß/blauhaltig
  • möglichst geringe Helligkeit wählen

Referenz- und Linkliste


  1. Owens & Lewis 2018 – The impact of artificial light at night on nocturnal insects: a review and synthesis

  2. DOI: 10.1002/ece3.4557

  3. Owens et al. 2022 – Behavioral responses of bioluminescent fireflies to artificial light at night

  4. DOI: 10.3389/fevo.2022.946640

  5. Owens & Lewis 2022 – Artificial light impacts the mate success of female fireflies

  6. DOI: 10.1098/rsos.220468

  7. Hermans et al. 2024 – Artificial light at night drives diel activity patterns of synanthropic pipistrelle bats and their prey

  8. DOI: 10.1016/j.scitotenv.2024.173699

  9. Hölker et al. 2021 – 11 pressing research questions on how light pollution affects biodiversity

  10. DOI: 10.3389/fevo.2021.767177

  11. Gaston et al. 2012 – Reducing the ecological consequences of night-time light pollution: options and developments

  12. DOI: 10.1111/j.1365-2664.2012.02212.x