Katzen

Freigängerkatzen im Siedlungsbereich: ökologische Auswirkungen

Freigängerkatzen können im Siedlungsbereich erhebliche Schäden an Wildtieren verursachen. Besonders betroffen sind Vögel, Reptilien, Amphibien, Kleinsäuger, Fledermäuse und Wirbellose.
Da Hauskatzen durch Menschen gefüttert, geschützt und tierärztlich versorgt werden, erreichen sie oft deutlich höhere Dichten als natürliche Beutegreifer.

Der wichtigste Schaden entsteht durch direkte Prädation: Wildtiere werden verletzt oder getötet. Weltweit wurden in wissenschaftlichen Auswertungen mehr als 2.000 Tierarten als Beute von Katzen dokumentiert, darunter zahlreiche Vogel-, Reptilien-, Säugetier- und Amphibienarten.

Betroffene Tiergruppen

EinordnungFür Mitteleuropa ist nicht eindeutig belegt, dass Hauskatzen allein für das Aussterben heimischer Arten verantwortlich sind. Dennoch können sie im Siedlungsraum, an Ortsrändern, in der Nähe von Schutzgebieten und während der Brutzeit eine relevante Zusatzbelastung darstellen.Besonders problematisch ist, dass nur ein Teil der getöteten Tiere nach Hause gebracht wird. Die sichtbare Beute unterschätzt daher den tatsächlichen Umfang der Jagd deutlich.KurzfazitFreigängerkatzen sind im Siedlungsbereich ein relevanter zusätzlicher Belastungsfaktor für Wildtiere. Der stärkste Einfluss betrifft Vögel, Reptilien, Amphibien und Kleinsäuger. Besonders kritisch sind Ortsränder, naturnahe Gärten, strukturreiche Lebensräume und die Brutzeit.

Tiergruppe Typischer Schaden
Vögel Katzen töten Altvögel, Nestlinge und frisch flügge Jungvögel. Besonders gefährdet sind
bodennah brütende Arten und Jungvögel während der Brutzeit.
Reptilien Eidechsen, Blindschleichen und andere kleine Reptilien gehören regelmäßig zum Beutespektrum.
In Siedlungsrändern, Gärten, Trockenmauern und strukturreichen Flächen kann dies lokale
Populationen zusätzlich belasten.
Amphibien Frösche, Molche und andere Amphibien werden ebenfalls erbeutet. Besonders problematisch ist
dies bei kleinen oder isolierten Populationen.
Kleinsäuger Mäuse sind häufige Beutetiere, aber auch Spitzmäuse und andere Kleinsäuger werden getötet.
Katzen jagen nicht selektiv nur sogenannte „Schädlinge“.
Fledermäuse Katzen können Fledermäuse an Quartieren, bei niedrigen Flugbahnen oder am Boden erbeuten.
Diese Gefährdung wird häufig unterschätzt.
Wirbellose Auch größere Insekten und andere Wirbellose werden gefangen, etwa Heuschrecken, Käfer oder
Schmetterlinge.
Raum / Studie Zahl Einordnung
Österreich 1,54 Mio. Hauskatzen
BirdLife Österreich

nennt die Hauskatze das zahlenmäßig beliebteste Haustier Österreichs.
Freigänger sind im Siedlungsraum ein wichtiger Beutegreifer für Vögel und andere Kleintiere.
Österreich > 1 Mio. Freigängerkatzen
BirdLife Österreich

geht aufgrund der hohen Zahl von Freigängerkatzen davon aus, dass jedes Jahr Millionen
Vogelindividuen in Österreich von Katzen getötet werden. Besonders gefährdet sind u. a.
Amsel, Hausrotschwanz, Girlitz, Bluthänfling und Grünling.
USA 1,3–4,0 Mrd. Vögel pro Jahr Hochrechnung für freilaufende Hauskatzen und herrenlose Katzen.
Laut

Loss, Will & Marra 2013

verursachen nicht-besessene Katzen den Großteil dieser Mortalität.
DOI:

10.1038/ncomms2380
.
Kanada, Schätzung 2013 105–348 Mio. Vögel pro Jahr Ältere nationale Hochrechnung für durch Katzen getötete Vögel in Kanada.
Diese Zahl wurde später durch eine

aktualisierte Kanada-Auswertung

neu bewertet.
Kanada, aktualisierte Schätzung 2025 19–197 Mio. Vögel pro Jahr; Median ca. 60 Mio. Neuere Auswertung mit aktualisierten Eingangsdaten.
Die niedrigere Schätzung bedeutet nicht zwingend, dass Katzen weniger Vögel töten,
sondern dass die Berechnungsgrundlage geändert wurde.
Siehe

Chu et al. 2025
.
Großbritannien / England ca. 27 Mio. Vögel im Untersuchungszeitraum Frühling/Sommer Im

BOKU-Bericht 2021

zusammengefasste Angabe nach Woods et al. 2003.
Erfasst wurde vor allem nach Hause gebrachte Beute; reale Tötungen können höher liegen.
Großbritannien, Woods et al. 2003 14.370 Beutetiere von 986 Katzen in 618 Haushalten In der Stichprobe von

Woods, McDonald & Harris 2003

waren 24 % der heimgebrachten Beutetiere Vögel,
69 % Säuger, 4 % Amphibien und 1 % Reptilien.
DOI:

10.1046/j.1365-2907.2003.00017.x
.
Polen, Bauernhöfe pro Hofkatze/Jahr: 3 Vögel heimgebracht, ca. 46,3 Vögel gefressen Eine

Studie zu Hauskatzen auf polnischen Bauernhöfen

zeigt deutlich, dass nach Hause gebrachte Beute die tatsächliche Tötung stark unterschätzen kann.
Globales Beutespektrum 2.084 Tierarten als Katzenbeute dokumentiert; ca. 9 % aller bekannten Vogelarten Die globale Synthese von

Lepczyk et al. 2023

zeigt: Katzen sind extreme Generalisten.
Vögel, Reptilien und Säuger machen den Großteil der dokumentierten Beutearten aus.
DOI:

10.1038/s41467-023-42766-6
.
Referenz- und Linkliste

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