Stadt gegen Förster
Die Au beim Göllersbach, auf der Tafel: Willkommen im Naturschutzgebiet — Ironie oder Häme?
titelt Paul Koren im Datum – Magazin vom 11/2025

In Stockerau wurden seit 2025 knapp 5,5 ha Auwald geschlägert & größtenteils auch gemulcht. Weitere Flächen scheinen in Vorbereitung zu sein.
Seit 1993 ist ein Großteil der Stockerauer Au, das Gebiet im Eigentum der Stadt, unter Naturschutz, seit 2004 Europaschutzgebiet – Natura 2000. Die Gemeinde selbst veranlasste, basierend auf zahlreichen Studien und einem Gemeinderatsbeschluss, diese Unterschutzstellung
In den Richtlinien und Empfehlungen des Rates (FFH – Richtlinie) sowie im NÖ Naturschutzgesetz findet man keinerlei Hinweise auf Empfelungen zum Einsatz eines Harvesters — so eine kühne Idee der ÖVP Stockerau 2019 — oder Hinweise auf den Einsatz eines Forstmulchers. Die FFH (Flora – Fauna – Habitat) Richtlinie, ebenso wie der Managementplan sprechen eine gänzlich unterschiedliche Sprache. Von Artenvielfalt ist die Rede, nicht von Monokultur, von Erhalt statt Zerstörung. Gefährdete und vom Aussterben bedrohte Arten werden minutiös aufgezählt, und deren Bedürfnisse geschildert.
Die etwa 400ha große Stockerauer Au ist wahrscheinlich eines der wenigen intakten Augebiete im 18.000 ha großen Europaschutzgebiet Tullnerfelder Donauauen. Gleich an den Grundstücksgrenzen, beginnen die Hybridpappelmonokulturen. Selbst in der Stockerauer Au, wurde bereits auf 21 Flächen und knapp 5,5 ha jegliche Vegetation entfernt, um effizient aufforsten zu können.

Zwei auf einen Streich; im Hintergrund eine ältere Schlagfläche (2022) als man „nur“ geschlägert hat und den Strauchbestand mit dem Freischneider entfernte. Im Vordergrund eine Schlagfläche von 2025, kein Totholz, jeglicher Pflanzenbestand ausradiert
Die Stockerauer Au polarisiert; Expertise gegen Expertise, Förster & Stadtregierung gegen Naturschützer:innen, und vor allem, den Mann, der die Au besser kennt als jeder andere: Franz Els. Wer recht bekommt, müssen die Gerichte entscheiden. Die Behörden wissen offenbar selbst nicht was zu tun und wie zu handeln ist.
Das wirft neue Fragen auf. Warum darf in einem Naturschutzgebiet mit Harvester & Forsmulcher gearbeitet werden, warum darf ein Naturschutzgebiet aussehen wie ein normaler Wirtschaftswald?
Niederösterreich war Anfang der 2000er Jahre säumig, was die Ausweisung von EU-Schutzgebieten betraf. Erwin Pröll löste dieses Thema mit einem Atemzug und die Tullnerfelder Donauauen, 18.000 ha zwischen Krems & Bisamberg wurden EU – Schutzgebiet (Natura 2000)
Viele Grundstücke in den Tullnerfelder Donauauen sind jedoch in Privatbesitz und wurden Jahrzehnte oder Jahrhunderte lang gemäß dem Forstgesetz bewirtschaftet und garantierten somit ein solides Einkommen für die Waldbesitzer.

Drohnenfoto einer Schlagfläche 2025; Die Ironie dabei: gegen mich wurde Anzeige erstattet, weil ich die Vögel beim Brüten gestört haben soll. Der Einsatz eines 15 Tonnen schweren Forstmulchers sowie ein Kahlschlag scheinen jedoch für die Gemeindevertreter:innen gebotene Mittel des Naturschutzes zu sein.
Ein Naturschutzgebiet (entsprechend bewirtschaftet) bedeutet deutliche Einbußen für die Bewirtschafter:innen. Vermutlich hätte das Land dies abgelten müssen. Doch Pröll beruhigte generös: „Brüssel ist weit weg.“ Mittlerweile ist Brüssel näher gekommen und bereits einigen Staaten wurde kräftig auf die Zehen gestiegen.
Wie es mit der Stockerauer Au weitergehen wird, wird sich zeigen und hängt letztlich nicht nur von der Regierung und den Gerichten ab, sondern auch von den Stockerauer:innen. Ob sie ihre Au (be)schützen wollen, oder ob es ihnen eh wurscht ist.
Das Thema ist komplex, tiefgründig und vor allem weitreichend. Das hat uns veranlasst, einen Podcast zu erstellen, in dem wir euch Details der Au, des Auwaldes, der Stockerauer Au und was mit ihr passiert weitergeben möchten. Seid gespannt, wir starten in Kürze unseren Podcast
Datum Magazin 11/25
Datum Magazin 1/25
FFH Richtlinie (RICHTLINIE 92/43/EWG DES RATES)
Managementplan Tullnerfelder Donauauen

Eine der Schlagflächen 2022 im Frühling – eine gut besonnte Stelle mit typischer Schlagflora. Um die Jungbäume großzuziehen muss die Fläche regelmäßig gemäht & bewässert werden. Um den Ausdruck Kahlschlag zu umgehen, ließ man am Rand einige Bäume stehen.
(Foto aufgenommen mit einem Hochstativ aus etwa 7m Höhe)

Von einem befreundeten Piloten erhalten, der mich nach einem Rundflug im Juni kontaktierte, weil er so erschüttert ob des Anblicks war & mir dieses Foto zur Verfügung gestellt hat. Man erkennt eine der Schlägflächen von 2025 die Silberweiden entlang des Krumpenwassers, sowie die Monokulturen (nicht mehr Stadt Stockerau)
