Agri-PV Fuchsenbühel

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Stockerau und die Agri-PV: Ein grünes Märchen oder ein düsteres Geschäft?

Stockerau plant eine landwirtschaftliche Fläche von 6,8 Hektar in der Nähe der Mülldeponie für ein Agri-PV-Projekt umzuwidmen. Was auf den ersten Blick nach einer cleveren Lösung für die Energiezukunft aussieht, könnte sich bei näherem Hinsehen als weniger grün und viel mehr nach Greenwashing anfühlen.

Agri-PV,  die Symbiose von Photovoltaik und Landwirtschaft, klingt verlockend, eine eierlegende Wollmilchsau? Eine einfache Sache, könnte man meinen. Doch wer sich die Sache genauer anschaut, stellt schnell fest, dass die Realität nicht ganz so rosig ist.

Im Vergleich zu Carports, die ohnehin bereits versiegelte Flächen aufwerten und zusätzlich sogar einen praktischen Nutzen wie Schatten oder Wetterschutz bieten, stehen Agri-PV-Anlagen in Konkurrenz zur Landwirtschaft. Sowohl die Pflanzen als auch die Solarmodule benötigen Boden und Licht. Ein bisschen Greenwashing also, wenn man bedenkt, dass keine landwirtschaftliche Fläche für Photovoltaikanlagen geeignet ist, ohne negative Auswirkungen auf die Erträge zu haben.

Gelungene Lösung, Schutz vor Witterung und 0% Flächenverbrauch

Natürlich darf man nicht vergessen: Jedes Kraftwerk verursacht ökologische Auswirkungen. Jede Technologie fordert ihren Preis, hier muss man akribisch Schaden gegen Nutzen aufrechnen. Können wir uns weiteren Verlust von landwirtschaftlichen Flächen und Natur überhaupt noch leisten? 

Stockerau hat sich dem Energiefahrplan verschrieben und trägt auch unverschuldet eine große Last, die A22. Die Emissionen dieser Autobahn gilt es ebenso wettzumachen, wie die selbst verursachten. Daher ist der Ausbau erneuerbarer Energie unverzichtbar. 

Glückliche Quotenschafe?

Doch die Frage bleibt: Soll hier wirklich eine echte Lösung entstehen, oder geht es am Ende nur darum, ein paar Erträge für den Betreiber und den Grundbesitzer zu maximieren, um ein green ticket zu erhalten?  Eine Fläche von 6,8 Hektar bei 50 % Überdachung mit PV-Panelen beinflusst das,Ökosystem erheblich  und verändert die Landschafr massiv.  Für die Landwirtschaft könnte das ein echtes Problem darstellen und für Wildtiere erst recht. Werden hier also am Ende nur vergnügte PV-Schafe herumlaufen, während die wahren Auswirkungen auf den Boden und die Flora in den Hintergrund rücken?

Es gibt in Stockerau zahlreiche Flächen, die bereits versiegelt sind und ohne großen Aufwand für solche Projekte genutzt werden könnten. Denken wir nur an die vielen Supermarktparkplätze. Allein das Gewerbegebiet Billa Plus und Hofer im Osten der Stadt erstreckt sich auf stolze 8,2 Hektar (Quelle NÖ Atlas) und könnten leicht  für umweltfreundliche PV –  Projekte weit sinnvoller genutzt werden. Warum diese brachliegenden, versiegelten Flächen nicht direkt für den Ausbau erneuerbarer Energien einsetzen, ohne wertvollen Ackerboden zu opfern?

  • Es ist an der Zeit, umzudenken und die Sonnenbrachen zu nutzen, die ohnehin schon existieren. 
  • Agri-PV wird immer ein Kokurrent zur Landwirtschaft bleiben und damit auch ein Nahrungsmittelkonkurrent.
  •  Aus ethischen Gründen sollte PV vorrangig auf bereits versiegelten Flächen errichtet werden. (Parkplätze, Fassaden, Dächer) 
SzenarioLeistung pro m² (kWp)Durchschnittliche Sonnenstunden/JahrErwarteter Ertrag auf 3,4 ha (kWh/Jahr)
Best Case0,67 kWp1.100 h6.800.000 kWh
Most Likely Case0,67 kWp1.000 h5.950.000 kWh
Worst Case0,67 kWp900 h5.100.000 kWh

Erklärungen:

  • Leistung pro m² (kWp): Die installierte Leistung je Quadratmeter Fläche basierend auf den typischen 1,5 m² pro kWp.
  • Sonnenstunden/Jahr: Durchschnittliche Sonneneinstrahlung pro Jahr (geschätzt zwischen 900–1.100 Stunden in Stockerau).

Erwarteter Ertrag: Der jährliche Energieertrag basierend auf der Fläche von 3,4 ha und den verschiedenen Szenarien (Best, Most Likely, Worst Case). (3,4 ha, da nur die Hälfte überschattet sein darf.

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